Strophanthin – Der vergessene Pflanzenwirkstoff

Die abenteuerliche Entdeckung von Strophanthin (Ouabain) hat dazu geführt, dass der Pflanzenwirkstoff vermehrt bei Therapien von Herzerkrankungen eingesetzt worden ist. In der modernen Medizin ist von Strophanthin jedoch in Vergessenheit geraten und Befürworter sowie Experten möchten die Therapie im Bereich der Herzkrankheiten mit dem pflanzlichen Extrakt wieder aufnehmen.

Die zufällige Entdeckung von Strophanthin

Im Bereich der Medizin sind die zufälligen Entdeckungen von wirksamen Stoffen keine Seltenheit, denn meistens stolpern die Forscher über eine potenzielle Substanz, um diese anschließend genauer zu untersuchen und gegebenenfalls weiterzuentwickeln.

Die Entdeckung von Ouabain ist eine sehr spannende Geschichte. Ursprünglich wurde Ouabain in Afrika von den Eingeborenen als Pfeilgift eingesetzt. Der Biologe Dr. Kirk verwechselte im Jahr1859 versehentlich seine Zahnbürste mit dem Pfeilgift Ouabain, worauf sich seine Herzbeschwerden erheblich besserten. Damit begann die Forschung und Entwicklung des Strophanthin-Medikamentes.

Der schottische Pharmakologe Thomas Fraser isolierte im Jahr 1862 aus den Samen von der Strophanthus kombé-Pflanze das k-Strophanthin und bereits drei Jahre später wurde der Extrakt in Tinkturform bei Herztherapien eingesetzt.

Der französischen Chemiker Arnaud ermöglichte im Jahr 1904 die orale Einnahme, nachdem es ihm im Jahr 1888 gelungen war das g-Strophanthin aus dem Strophanthus gratus und dem Acokanthera ouabaio zu isolieren.

Um eine schnellere Wirkung zu erreichen, wurde das k-Strophanthin intravenös verabreicht. Im Jahr 1906 wurde Strophanthin in Fachkreisen als intravenöse Anwendung anerkannt; das erste Präparat Kombetin war bis Ende des 20. Jahrhunderts erhältlich.

Die Bandbreite wurde im Jahr 1928 durch Ernst Edens erweitert, indem er Strophanthin zusätzlich Patienten mit einem Herzinfarkt und Angina Pectoris verabreichte. Ab dem Jahr1950 wurde Ouabain auch bei chronischer Herzinsuffizienz intravenös verabreicht.

Im Jahr1947 setzte ein deutscher Internist g-Strophanthin oral ein, um Angina Pectoris sowie Herzinfarkten vorzubeugen und diese zu behandeln.

Strophanthin im Detail

Strophanthin ist der Sammelbegriff für Glykoside, welche von Hundsgift-Gewächsen gebildet werden. Es kann schnell und als kurzzeitig wirksames Herzglykosid bei der Herzinsuffizienz eingesetzt werden.

Die Pflanze umfasst ungefähr fünfzig Arten, welche in Asien und den tropischen Gebieten Afrikas vorkommen. Bei den Hundsgift-Gewächsen handelt es sich um Lianen mit glockenförmigen Blüten und Balgfrüchten, welche aus zwei Teilfrüchten bestehen und zahlreiche federartige Samen enthalten.

Die sehr speziellen Samen von Strophanthus kombe und -gratus enthalten herzwirksame aber giftige Glykoside. Strophanthus gratus wird zur pharmazeutischen Herstellung von g-Strophanthin angebaut.

Die verschiedenen Strophanthine werden wie folgt gewonnen:

• g-Strophanthin aus Strophanthus gratus und Acokanthera oblongifolia
• e-Strophanthin aus Strophanthus eminii
• k-Strophanthin aus Strophanthus kombé
• h-Strophanthin aus Strophanthus hispidus

Eine andere Bezeichnung für den Wirkstoff ist Quabain, abgeleitet vom Ouabaio-Baum, weil er die Samen trägt, welche das g-Strophanthin beinhalten. Die Extrakte der Strophanthus kombe und Strophanthus gratus gehören zu den herzwirksamen Digitaloiden.

Strophanthin findet sich nicht nur in Afrika oder Asien, sondern auch in der heimischen Toppflanze Acokanthera und dem Sommer-Adonisröschen. Hierbei handelt es sich jedoch um das giftige Aglykon vom k-Strophanthin.

Strophanthin im menschlichen Blut

Im Jahr 1991 ist es gelungen, vom menschlichen Blutplasma ein Stereoisomer zu isolieren. Nach damaliger Meinung von Forschern handelte es sich um g-Strophanthin, ein blutdruckregulierendes Hormon, das in der Nebenniere gebildet wird. Zwischenzeitlich wurde festgestellt, dass die Bildung im Gehirn stattfindet.

Ein deutscher Biochemiker konnte belegen, dass es sich bei g-Strophanthin um ein körpereigenes Kreislaufhormon handelt, welches bei körperlicher Belastung freigesetzt wird. Des Weiteren stellte ein deutscher Wissenschaftler fest, dass eine besondere Form von Strophanthin im Körper als Kreislaufhormon zirkuliert und es bei einer körperlichen Anstrengung zur Ausschüttung kommt.

Zudem belegt eine Studie aus dem Jahr 2004, dass das Herz einer Ratte nach einer schlechten Durchblutung g-Strophanthin herstellte.

Die Wirkung von Strophanthin

Strophanthin wird bei Herzbeschwerden wie beispielsweise Arteriosklerose, Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck oder Herzinfarkt eingesetzt und trägt folgende Wirkungen:

• Reduzierung der Stresshormone im Herzmuskel und Blut
• entzündungshemmend
• reduziert hohen Blutdruck
• steigert die Durchblutung der Organe
• optimiert die Sauerstoff-Verwertung
• minimiert Angina Pectoris- Attacken
• hilft bei Herz-Rhythmus-Störungen

Die Natrium-Kalium-Pumpe

Die Natrium-Kalium-Pumpe ist in den Zellmembranen verankert und kommt vorwiegend in den Nerven- und Herzmuskelzellen vor. Sie sorgt dafür, dass Natriumionen aus den Zellen herausgepumpt und Kalium Ionen hinein befördert werden, sodass die Zellfunktionen im Körper aufrechterhalten bleiben.

Es wurde festgestellt, dass die intravenöse Verabreichung von Strophanthin in erhöhter Konzentration die Natrium-Kalium-Pumpe hemmen kann und es zur klassischen Wirkung von Herzglykosiden kommt, wobei durch den erhöhten Natriumgehalt die Kontraktionskraft der Herzmuskelzelle gesteigert wird.
Bei einer Herzmuskelinsuffizienz kann das Herz, aufgrund der verminderten Pumpfunktion, nicht genügend sauerstoffgesättigtes Blut zirkulieren lassen.

Der Pflanzenwirkstoff kann dazu beitragen, dass sich der Herzmuskel besser zusammenziehen kann.

Strophanthin als Blutdrucksenker

Bluthochdruck zählt zu den häufigsten Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronisch erhöhte Werte können zu einem Herzinfarkt, einem Schlaganfall sowie weiteren Schäden führen. Die Blutdruckwerte können nicht immer schnell und effektiv gesenkt werden, sodass Strophanthin möglicherweise unterstützen kann, das Herz-Kreislaufsystem in geordnete Bahnen zu lenken.

Der Blutdruck wird durch die orale Einnahme von Strophanthin gesenkt, indem die Natrium-Kalium-Pumpe gehemmt wird. Damit kann es möglich sein, die Elektrolyt- und Natriumkonzentration, welche vor allem bei Bluthochdruck wichtig ist, zu regulieren.

Zudem kann Strophanthin in der Lage sein, das vegetative Nervensystem im Zusammenhang mit Sympathikus und Parasympathikus, beeinflussen, sodass die ausgleichende Wirkung auf das vegetative Nervensystem unter anderem an den Blutdruckwerten spürbar ist.

Strophanthin bei Herzrhythmusstörungen

Bei Herzrhythmusstörungen wurde ebenfalls eine erhöhte Sympathikus Aktivität festgestellt.
Herzrhythmusstörungen führen zu einem erhöhten Adrenalinspiegel, einem höheren Sauerstoffverbrauch durch den Herzmuskel, einer Veränderung des ph-Wertes vom Gewebe, Durchblutungsstörungen und Gefäßkontraktionen.

Strophanthin soll die Synthese von Glykogen, den Zuckerstoffwechsel sowie die Insulinsekretion anregen und die Lactat-Produktion für die Energie steigern. Bei einer Herzinsuffizienz besitzt der Herzmuskel nicht genügend Energie. Durch die positiven Veränderungen kann das Herz den Mangel besser ausgleichen.

Die Studien zu Strophanthin

Strophanthin kann sich in kleinen Mengen anregend auf die Natrium-Kalium-Pumpe auswirken, sodass Gehalt an Kalzium und zellulärem Natrium vermindert wird. Die anregende Wirkung auf die Natrium-Kalium-Pumpe durch g-Strophanthin konnte in über fünfzig Studien belegt werden. Im Jahr 1971 wurde erstmals nachgewiesen, dass der Wirkstoff auch den Zell-pH-Wert des Herzens regulieren kann.

Die Anzahl der Erfahrungsberichte und Studien der positiven Wirkung von oral und intravenös verabreichten Strophanthin bei Angina Pectoris wurden in deutscher Sprache veröffentlicht und stehen deshalb nicht in den Wissenschaftsdatenbanken wie beispielsweise Medline zur Verfügung.

Eine wichtige Erkenntnis zeigte eine Untersuchung im Jahr 1972. Patienten mit Angina Pectoris wurde Strophanthin in sehr hoher Dosis verabreicht und es wurde ein Rückgang der Beschwerden beobachtet. Weitere Studie in den Jahren 1984 und 1986 konnte belegen, dass die Verabreichung von g-Strophanthin bei Angina Pectoris genauso hilfreich sein kann wie das häufig verschriebene Präparat Nitroglyzerin.

Die Studien zu Strophanthin sind veraltet!

Weil das Mittel zurzeit nicht flächendeckend verabreicht wird, gelten die Studien als veraltet. Pharma-Unternehmen sind nicht unbedingt daran interessiert, wissenschaftlich kostspielige Untersuchungen zu finanzieren.

Die Ärzte streiten sich um die Wirksamkeit von Strophanthin

Bis in die Achtzigerjahre wurde in den Medien heftige Diskussionen von Kritikern und Befürwortern über das Wundermittel geführt. In der Folge wurde der jahrzehntelange Einsatz stark minimiert oder totgeschwiegen.

Der Pflanzenwirkstoff ist heute eher unbekannt und die Ärzte lassen sich oftmals nicht auf Diskussionen mit interessierten Patienten über dessen Wirksamkeit ein oder stellen sich gegen eine Verordnung.

Dies kann mit dem zum Teil fehlenden Fachwissen und den wenigen Studien begründet werden. Gleichzeitig macht sich die Vermutung breit, dass die Pharma-Unternehmen den erneuten Einsatz verhindern, weil dadurch möglicherweise teure Medikamente überflüssig werden könnten; dazu zählen auch die kostspieligen Herzuntersuchungen.

Comeback von Strophanthin ist unklar

Es ist nicht absehbar, ob der Wirkstoff wieder eine flächendeckende Akzeptanz erreichen wird. Trotzdem gibt es deutsche Wissenschaftler welche Strophanthin mit neuen wissenschaftlichen Veröffentlichungen wieder mehr in den Fokus bringen. Es werden Tierversuche thematisiert, die neue Wirkungen zeigen sollen, um damit Strophanthin-Kritiker zu überzeugen.

Auch veraltete Argumente sollen mit neuen Laboruntersuchungen widerlegt werden. Unter anderem wird versucht, die These zu widerlegen, dass die orale Gabe Todesfälle begünstigten kann.

Die Diskussion um das pflanzliche Extrakt dauert weiterhin an, zumal derzeit noch keine klinischen Studien durchgeführt werden.

Erfahrungen mit Strophanthin

Ärzte berichten aber auch über positiven Wirkungen von Strophanthin.
Beispielsweise haben Patienten, neben weniger Herzproblemen, die Aktivität deutlich erhöhen können sowie von einer verbesserten Stimmungslage und einem reduzierten Stressgefühl berichtet.

Aus den oben erwähnten Erkenntnissen sollte jeder sein eigenes Fazit von Strophanthin ziehen.

Die richtige Einnahme von Strophanthin

Strophanthin ist in folgenden Darreichungsformen erhältlich:

• Tabletten
• Globuli
• Tropfen
• Tinktur
• Samenkörner

Strophanthin in homöopathischer Form

Homöopathische Mittel mit Strophanthin sind in Form von Globuli, Tropfen und Tabletten erhältlich. Bei Stress oder leichten Herzbeschwerden sind die homöopathischen Mittel eine gute Alternative, um sich mit dem Wirkstoff vertraut zu machen. Bei schlechter Medikamentenverträglichkeit kann das Pflanzenextrakt als homöopathisches Präparat ebenfalls eine gute Alternative bieten.

Die Produkte sind ohne Rezept in der Apotheke erhältlich, es gilt aber zu beachten, dass die Globuli mit D4 und die Tropfen mit Alkohol hergestellt werden.

Tinctura Strophanthin – Die originale Strophanthin-Tinktur

Einige Apotheken sind in der Lage die Urtinktur Tinctura Strophanthin nach dem bewährten Rezept aus dem Jahr 1880 herzustellen. Erfahrungsberichten zufolge wirkt die Tinktur zwar schnell aber weniger intensiv. Im Gegensatz zu früher wird zur Herstellung eine alkoholische Lösung von der Reinsubstanz g-Strophanthin verwendet, sodass ein festgelegter Wirkstoffgehalt und eine sichere Anwendung gewährleistet sind.

Apotheken, welche die Tinctura Strophanthin herstellten, sind relativ selten. Die Schlossapotheke in Koblenz verfügt über eine langjährige Erfahrung im Umgang mit Strophanthin und steht jederzeit gerne beratend zur Seite.

Die Strophanthin-Samen

Der originale Strophanthin-Samen ist ebenfalls in der Schlossapotheke auf Rezept erhältlich. Die Samen sind zwar sehr wirkungsvoll aber auch giftig und sollten deshalb nur nach vorgängiger Rücksprache mit dem Arzt sowie einer genauen Einweisung und der richtigen Dosierung eingenommen werden.
Aus den mit dem Mörser zerkleinerten Samen besteht die Möglichkeit, einen konzentrierten Tee herzustellen; mit etwas Honig wird der bittere Geschmack minimiert.

Selten werden die Samenkörner direkt im Mund zerkaut, dies sollte unbedingt vorgängig mit dem Arzt abgeklärt werden.

Die richtige Dosierung von Strophanthin

Jeder Mensch reagiert anders auf Medikamente, Nahrungsergänzungsmittel sowie pflanzliche oder homöopathische Mittel. Aus diesem Grund sollte das Strophanthin-Präparat anfänglich vorsichtig verabreicht werden, um unerwünschte Nebenwirkungen zu vermeiden.

Homöopathische Präparate können bis zur Höchstdosierung gesteigert werden.
Bei der Dosierung von Tinkturen und Samenkörnern sind die Empfehlungen des Arztes oder Apothekers maßgebend.

Die Nebenwirkungen von Strophanthin

Bei der Anwendung von Strophanthin können Schleimhautreizungen im Magen-Darm-Trakt oder im Mund auftreten. Die Samenkörner sind sehr scharf und bitter und die Reizungen daher stärker.

Strophanthin kaufen

Der Kauf von Strophanthin ist nicht ganz einfach aber möglich.
Das Mittel ist, außer in homöopathischer Form, rezeptpflichtig und kann von jedem Arzt verschrieben werden.

Zusammenfassung

Gemäß Experten hat Strophanthin immer noch das Potenzial, mit den heutigen Herzmedikamenten, welche oftmals eine Vielzahl von Nebenwirkungen zeigen, zu konkurrieren. Vor allem Risikogruppen für einen Herzinfarkt, einer Angina Pectoris oder Menschen mit Bluthochdruck sowie Herzrhythmusstörungen könnten von Strophanthin profitieren, weil sich das pflanzliche Mittel unter anderem auch auf das vegetative Nervensystem und die Natrium-Kalium-Pumpe auswirkt.

Außer der bekannten Reduzierung von Herz-Kreislauf Beschwerden wurde auch die Steigerung von der Leistungsfähigkeit und eine ausgeglichene Stimmung beobachtet.

Wissenschaftliche Untersuchungen, welche den modernen Anforderungen Genüge tun, sind praktisch keine vorhanden, weil das Mittel zu einer Zeit angewendet wurde, in welcher die Studien nicht die gleichen Qualitätskriterien hatten wie in der heutigen Zeit.

Unter den Ärzten besteht keine Einigkeit, ob Strophanthin verschrieben werden soll oder nicht. Dies liegt einerseits an den fehlenden Studien und andererseits auch an Interessenkonflikten, da bestehende Medikamente durch den Einsatz von Strophanthin andere Medikamente überflüssig machen könnte.

Hinzu kommt, dass ein großer Teil von den Ärzten kein Strophanthin mehr verschreibt, weil Sie den Pflanzenwirkstoff entweder nicht kennen oder sich mit dem Thema nicht beschäftigt haben. Insbesondere die jüngeren Ärzte haben noch nie davon gehört.

Die vorhandenen Erfahrungsberichte, sowohl von Patienten wie auch von Ärzten, welche Strophanthin positiv gegenüberstehen, sind im Großen und Ganzen positiv.